Unser Vorstandsmitglied Vered Berman war am 19. Juni beim Parteitag Die Linke eingeladen, im Zusammenhang mit der Nahostpolitik zu reden. Vereds Rede fand starken Wiederhall in der Presse, sie wurde sogar in der Tagesschau erwähnt.
Die taz kommentierte, Auszug/Zitat:
„Schwerdtner kündigt zwei Gastrednerinnen an: Die palästinensische Frauenrechtlerin Aida Touma-Sliman sitzt für die linke Liste Chadasch in der Knesset, im israelischen Parlament. Sie ist die Grande Dame der arabisch-israelischen Linken, prangert die Apartheid in Israel an und warnt vor der Illusion, dass nach einem möglichen Abtritt von Netanjahu Frieden und ein Ende der Besatzung näherrücken werden.
Es ist ein kluger Zug der Parteispitze, Touma-Sliman reden zu lassen – um so die oft selbstreferenzielle deutsche Debatte in der Wirklichkeit zu erden. Das gilt noch mehr für die zweite Gastrednerin, die Israelin Vered Berman. Sie verlor mit 19 Jahren ihre Mutter bei einem Anschlag der Hamas und engagiert sich heute im „Parents Circle“. Die Organisation bringt Familien aus Israel und Palästina zusammen, die Angehörige verloren haben.
Berman lebt in Berlin und ist Antisemitismus-Beauftragte an der Alice Salomon Hochschule. „Antisemitismus ist real und keine Nebensache“, sagt sie. Er habe nach dem 7. Oktober 2023 zugenommen. „Der Kampf gegen Antisemitismus ist linke Pflicht“, so Berman.
Sie erzählt, eher nüchtern, von dem Moment, als sie erfuhr, dass ihre Mutter bei dem Anschlag starb. Und von palästinensischen Freunden, deren Verwandte von israelischen Soldaten erschossen wurden. „Kein Schmerz hebt den anderen auf“, sagt sie. Und: „Jüdische Sicherheit und palästinensische Freiheit sind keine Gegensätze, sondern bedingen sich gegenseitig.“
Fast alle in der Metropolis Halle spüren, dass dies keine der üblichen Reden ist. Sondern etwas Besonderes, Intensives, Verdichtetes. Berman verbindet die authentische Erfahrung von Gewalt und Zerstörung mit einer universalistischen Botschaft. Es ist eine aufrüttelnde Rede, getränkt von Trauer und Mut, in deren Schatten viele angelesene Pro-Gaza- oder Pro-Israel-Bekenntnisse recht dürr erscheinen.
„Parents Circle“ will zeigen, dass Rache nicht die Lösung ist, sondern man eine Brücke über den Fluss von Blut bauen kann. Das verknüpft Berman mit einem Appell, der ein Korrekturzeichen zu der Rechthaberei linker Nahost-Debatten ist. „Wenn ihr diese Brücke nicht bauen wollt, dann lasst die Finger von diesem Konflikt“, sagt sie. Der Applaus ist frenetisch.“
[Stefan Reinecke und Daniel Bax in: taz: Linkspartei und Nahost – Die Kunst des Kompromisses – Auf dem Parteitag der Linken kriegen die GenossInnen beim Thema Nahost am Ende doch die Kurve. Eine große Minderheit allerdings ist unzufrieden.]
>> gehe zum Artikel

